Die RADIO
BREMEN-Hörfunk-Nachrichten vom 14.03.99, 18.00 Uhr
Jusos fordern Rücktritt
Hombachs
Bonn - Die Jungsozialisten
haben den Rücktritt von Kanzleramtsminister
Hombach gefordert. Er habe nicht die Qualität,
im Stillen zu
koordinieren und stehe zu gern selbst im Mittelpunkt,
erklärte die
Vorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation,
Nahles,
im
Fernsehsender n-tv. Die unzureichende Abstimmung
der
Regierungsarbeit im Umfeld des Kanzleramtes
sei für den
Lafontaine-Rücktritt mitverantwortlich
gewesen. Es sei bitter, daß einer
der wichtigsten Minister aus diesen Gründen
Konsequenzen gezogen
habe, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete.
Die Jusos forderten
deshalb Hombachs Rücktritt.
Die RADIO
BREMEN-Hörfunk-Nachrichten vom 11.03.99,
10.00 Uhr
Rot-grün streitet
über Führungsstil
Bonn: Die Bundestagsabgeordnete
der Grünen, Hustedt hat
Bundeskanzler Schröder
"schlechten Führungsstil" vorgeworfen. Mit
Blick auf die Reform
der 630-Mark-Jobs und den Ausstieg aus der
Atom-Energie sprach sie
von "einsamen Entscheidungen" des Kanzlers.
Schröder hatte nach
Informationen mehrerer Zeitungen auf der
Kabinettssitzung gestern
indirekt mit seinem Rücktritt gedroht. Er habe
mehreren Ministern eine
"Politik der Nadelstiche" gegen die Wirtschaft
vorgeworfen und erklärt
Rot-Grün habe für Teile der Politik keine
gesellschaftliche Mehrheit.
Es gebe einen Punkt, wo er die
Verantwortung für
eine solche Politik nicht mehr übernehmen werde.
Regierungssprecher Heye
dementierte allerdings, daß es eine direkte
oder indirekte Rücktrittsdrohung
Schröders gegeben hat.
dpa-Meldung vom 11. März 1999
Juso-Chefin fordert Sonderparteitag
Für die Vorsitzende der Jungsozialisten,
Andrea
Nahles, ist Oskar Lafontaine
"der Letzte, der hätte zurücktreten sollen".
Er habe als SPD-Parteichef
den Kern der sozialdemokratischen Politik verkörpert, sagte sie am
Donnerstag abend im "ARD-Brennpunkt".
Nahles sagte für die SPD-Nachwuchsorganisation:
"Wir sind alle
sehr schockiert." Lafontaines Rücktritt als Parteivorsitzender
und
Bundesfinanzminister sei sein schwerer Schlag. Sie
forderte einen
Sonderparteitag, um einen
neuen Parteichef zu bestimmen.
"Das kann nicht im kleinen Kreis ausgekungelt werden."
Nötig sei ein Parteivorsitzender, der die Breite
der Partei präsentiere.
Foto: SPD
Nahles:
"Schröder ist Abrissbirne der SPD"
Die RADIO
BREMEN-Hörfunk-Nachrichten vom
12.03.99, 09.00 Uhr
SPD
berät - Reaktionen
Bonn - Präsidium
und Bundesvorstand der Sozialdemokraten beraten
am Vormittag die Lage
nach dem Rücktritt Oskar Lafontaines von den
Ämtern des Finanzministers
und des Parteichefs. Es gilt in Bonn
mittlerweile als sicher,
daß der noch amtierende hessische
Regierungsschef Eichel
das Bundesfinanzministerium
übernehmen soll.
Streit dürfte es
dagegen um den Parteivorsitz geben. Führende
Sozialdemokraten wie
die stellvertretende Parteichefin Renate Schmidt
und Staatsminister Verheugen
plädierten für Gerhard Schröder. Die
Vorsitzende der Jungsozialisten,
Nahles,
lehnte einen Vorsitzenden
Schröder ab. Er
repräsentiere nicht die Breite der Partei. Lafontaine
habe in der Partei eine
Mehrheit für seine politische Linie gehabt.
Bremens
SPD-Chef Albers sagte zu Radio
Bremen, zu Schröder gebe
es nicht viele Alternativen.
Er werde aber Wege suchen müssen, die
gesamte Bandbreite der
Partei zu integrieren. Die Bremer
Jusos
meinten, Schröder
wäre der Tod der Programm-Partei SPD.
Will
Schröder Steuerreform stoppen ?
Bonn: Bundes-Kanzler Schröder
will angeblich die Steuerreform
stoppen. Nach Informationen
der «Rheinischen Post» will Schröder die
Unternehmensteuern stärker
senken als bislang vorgesehen. Die neuen
Tarife könten bis
zum Sommer fertiggestellt sein. ---
Arbeitgeber-Präsident
Hundt forderte am morgen, die Steuerreform
komplett zurückzuziehen.
Den Rücktritt Lafontaines hatte er schon
gestern als neue Chance
für ein erfolgreiches Bündnis für Arbeit
bezeichnet.-- An der
Wall-Street stiegen die Kurse deutscher Aktien
und des Euro. +++ Die
Grünen sehen im Rücktritt des Finanzministers
und SPD-Chefs keine Gefahr
für rot-grün. Vorstandssprecherin Röstel
ließ zugleich die
Bereitschaft zu Änderungen in der Steuerpolitik
erkennen. Ihre Partei
habe nie einen Zweifel daran gelassen, daß sie
eine weitere Absenkung
der Steuersätze für möglich halte.
ARD/ZDF-Videotext,
Seite 119, Sonntag, 14. März 1999, 05:00 Uhr (MEZ)
SPD-Linke warnt vor Politikwechsel
Die SPD-Linke hat den
Bundeskanzler
und künftigen SPD-Chef Schröder aufgefordert, auch nach dem Rücktritt
von Oskar Lafontaine den bisherigen Kurs der
Regierungspolitik beizubehalten.
Schröder müsse die im SPD-Wahlprogramm
und im Koalitionsvertrag vereinbarten Reformprojekte fortsetzen, verlangte
der "Frankfurter Kreis"
bei einem Treffen am Samstag in Berlin.
Schröder habe im Parteivorstand zwar versichert,
daß es mit ihm keinen Richtungswechsel geben werde, sagte die Vorsitzende
der Jungsozialisten, Nahles.
Ihr fehle aber das Vertrauen, daß diese Zusage auch eingelöst
werde.
Die RADIO
BREMEN-Hörfunk-Nachrichten vom 14.03.99, 16.00 Uhr und
17.00 Uhr
Lafontaine begründet Rücktritt
Saarbrücken - Drei Tage nach seinem Rücktritt
als SPD-Chef
und
Bundesfinanzminister hat Oskar
Lafontaine seine Entscheidung mit
schlechten Mannschaftspiel der Regierung begründet.
Sie habe nichts
mit der Richtung der Politik zu tun. Mannschaftsspiel
verlange, daß man
Rücksicht aufeinander nehme und zueinander
stehe, auch in der
Öffentlichkeit, und daß Teamgeist
die Regierungsarbeit bestimme. Als
Beispiel für ein schlechtes Zusammenspiel
nannte Lafontaine die
Entlastung
für den Mittelstand: Während man die Mittelständler
um fünf Milliarden entlasten wolle, diskutiere die Mannschaft
darüber, ob man eine wirtschaftsfeindliche Politik mache. Das verstehe,
wer wolle. Wenn das Team nicht mehr gut zusammen spiele, müsse man
eine neue
Mannschaftsaufstellung suchen. Dazu sei sein
Schritt die Voraussetzung
gewesen. Er wünsche der neuen Mannschaft
mit Gerhard Schröder
Erfolg bei ihrer Arbeit.
Die RADIO
BREMEN-Hörfunk-Nachrichten vom 14.03.99, 18.00 Uhr
Lafontaine nennt politische Rücktrittsgründe
Bonn - Oskar Lafontaine hat seinen Rückzug
aus der Politik mit
Problemen in der Regierung begründet.
Der Grund seines Rücktritts sei
das schlechte Mannschaftsspiel, das man in
den letzten Monaten
geboten habe, sagte Lafontaine. So sei für
ihn unverständlich, daß die
Regierung trotz einer Steuerentlastung des
Mittelstandes von fünf
Milliarden Mark darüber diskutiere, ob
eine wirtschaftsfeindliche Politik
gemacht werde. Die Fehler, die gemacht wurden,
hätten alle gemacht,
sagte Lafontaine. Die bisherige Politik für
Arbeitnehmer und Familien
sei aus seiner Sicht sehr erfolgreich gewesen,
viele Wahlversprechen
seien bereits umgesetzt worden. Die Bundesregierung
nahm Lafontaines
Erklärung nach den Worten ihres Sprechers
mit Respekt zur Kenntnis.
Während Außenminister Fischer Lafontaines
Kritik zurückwies, klagte
die Grünen-Vorstandssprecherin Radcke
über fehlenden Teamgeist.
Die RADIO
BREMEN-Hörfunk-Nachrichten vom 14.03.99, 19.00 Uhr
Müller bestätigt Lafontaines Kritik
teilweise
Berlin - Wirtschaftsminister
Müller hat die Kritik Lafontaines am
schlechten Mannschaftsspiel des Kabinetts teilweise
bestätigt. Dem
Fernsehsender NTV sagte Müller, die Zusammenarbeit
sei in der
Außenwirkung nicht gerade sehr begeisterungsfähig
gewesen. Im
Kabinett habe man sich oft gefragt, wie dies
verbessert werden könne.
Für die Lust am Spiel sei auch entscheidend,
ob das, was in der
Mannschaftskabine besprochen werde, am nächsten
Tag in der Zeitung
stehen müsse. Die Wirkung der Regierungsarbeit
insgesamt sei nicht die
gewesen, die man sich erhoffe, wenn man Tag
und Nacht arbeite. Die
Grundzüge der Politik der Regierung halte
er für vernünftig. Es werde
keine Reform der Steuerreform geben.
"Tagesschau"-Meldung
(ARD) vom 09. April 2000, 15.00 h (MESZ)
Lafontaine entschuldigt
sich
Der ehemalige SPD-Vorsitzende
und Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine hat eingeräumt, für
die Niederlage der SPD bei der Landtagswahl im Saarland im vergangenen
Jahr mitverantwortlich gewesen zu sein.
Sein Rücktritt sei auch eine
Ursache für die Wahlniederlage im September gewesen, sagte Lafontaine
beim SPD-Landesparteitag in Schiffweiler. "Es tut
mir leid, und ich entschuldige mich in aller Form." Zugleich bot
er dem Landesverband an, sich wieder für die SPD an der Saar einzusetzen.
Wenn er mithelfen könne, die Niederlage rückgängig zu machen,
wolle er dies tun. Bei der Wahl zu den Delegierten der Saar-SPD für
den nächsten SPD-Bundesparteitag ließ sich Lafontaine aber nicht
aufstellen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder
warf er vor, Vereinbarungen mit ihm nicht eingehalten zu haben. Lafontaine
sagte, zu seiner Amtszeit sei vereinbart gewesen, dass alle wichtigen Sach-
und Personalentscheidungen gemeinsam getroffen würden. "Aus
meiner Sicht wurde diese Vereinbarung nicht eingehalten." Lafontaine
begrüßte aber, dass Schröder inzwischen als Kanzler auch
den Schulterschluss mit der SPD vollzogen habe. "Das
ist gut für die Gesamtpartei."
Der einstige Saar-Ministerpräsident
war im März vergangenen Jahres als Finanzminister und SPD-Vorsitzender
zurückgetreten. Bei der Landtagswahl im September 1999 löste
die CDU dann die SPD nach 14-jähriger Alleinherrschaft im Saarland
ab. Lafontaines Nachfolger als Landeschef, Bundesverkehrsminister Reinhard
Klimmt, wurde am Samstag in Schiffweiler im Amt bestätigt.
"...wer heute nicht einmal feste Wurzeln hat, wird
umgeweht, weggeweht, und kann ohne eigenen Halt auch anderen keinen geben
..."
(Bodo Hombach, SPD, im "VORWÄRTS",
Sommer 1996)
Hintergründe (zum Rücktritt):
VORWÄRTS (Schweiz)
Verlagsgenossenschaft
Amputiert
die SPD ihren linken Flügel? Manche wollen es.
Sind es Wahrheiten? Bitte urteilt selbst!
http://www.wsws.org
-Der
Rücktritt von Oskar Lafontaine.
Ende
von Bad Godesberg (16. März 1999)
-Lafontaines
Rücktritt
Wer
regiert in Deutschland?
Wie
die Wirtschaftsverbände die Regierung
auf
ihren Kurs bringen (22. März 1999)
Pressespiegel
(über JUSO-Bezirksvorstand
Weser-Ems, bis 18. März 2000)
"Kontra Kanzler-Kurs
- Jusos kritisieren Schröder/Blair-Papier"
BANTER KREIS -
Pressespiegel
Pressemitteilungen
RGs Weser-Ems, Oldenburg, Wilhelmshaven
und Bundesvereinigung
Seit 13. Oktober 1999 erscheint sein Buch:
"Das
schlägt links", Oskar Lafontaine

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